Napoleon zieht 1812 durch das Königsfelder Land


Die Geschichte von Königsfeld für Jung und Alt

© Frank Dörfler


Wer war Napoleon?

► Napoleon Bonaparte lebte von 1769 bis 1821. Er war zunächst ein berühmter und sehr erfolgreicher französischer General, im Jahr 1804 wurde er zum Kaiser der Franzosen gekrönt.

Auf dem alten Gemälde erkennst du ihn sofort an seinem Hut, einem sogenannten Zweispitz“ , und an der Haltung seiner rechten Hand, welche er oft in seine geknöpfte Weste steckte.

Als Kaiser „Napoleon I.“ schuf er eine Reihe sehr fortschrittlicher Gesetze, vor allem aber führte er Kriege. Als ehemaliger General plante er seine Feldzüge sowie Schlachten selbst und er nahm auch persönlich daran als Feldherr teil.


Was hat unsere Gegend mit Napoleon zu tun?

Napoleon eroberte von 1805 bis 1812 fast alle wichtigen Staaten in Europa. Nur Großbritannien und Russland blieben als mächtige Gegner Napoleons übrig. Diese beiden Reiche verbündeten sich gegen ihn.

Somit war auch Deutschland und damit ebenso unsere Gegend im Machtbereich Napoleons. Im Jahre 1805 schenkte Napoleon die Gebiete Frankens, zu welchem das Königsfelder Land als Teil des Bistums Bamberg gehörte, dem Königreich Bayern, welches mit ihm verbündet war. Dass wir also heute zum Bundesland Bayern gehören, geht auf Napoleon zurück.

Napoleons Machtbereich 1812. Quelle: Wikipedia – Creative Commons


Warum zog Napoleon 1812 durch das Königsfelder Land?

► Im Jahr 1812 entschloss sich Napoleon zu einen großen Krieg gegen das riesige Kaiserreich Russland, welches ihm zusammen mit Großbritannien noch immer Widerstand leistete. Napoleon dachte, dass wenn er erst Russland besiegte, auch Großbritannien aufgeben würde.

► Dafür ließ er im Mai 1812 seine „Große Armee“, französich „Grande Armée“ , in Deutschland versammeln und in Richtung Russland marschieren. Die Grande Armée bestand insgesamt aus ca. 475.000 Soldaten mit 200.000 Pferden. Solch eine große Armee konnte nicht auf einer einzigen Straße marschieren. Deshalb wählte Napoleon verschiedene Straßen für seinen Aufmarsch an die russische Grenze.

► Napoleon persönlich reiste am 9. Mai 1812 in Paris ab und kam über Mainz und Würzburg nach Bamberg. Von Bamberg aus marschierte er mit 8500 Garde-Soldaten (= Napoleons Leibwache) und 4500 Pferden über Scheßlitz, den Würgauer Berg und Hollfeld nach Bayreuth.

Napoleon reitet an seiner Garde vorbei. Quelle: Wikipedia – Creative Commons

 

Der Weg vom Würgauer Berg nach Hollfeld führte Napoleon durch die heutige Gemeinde Königsfeld. Ein Großteil der Soldaten marschierte wohl durch das Wiesenttal und somit durch Treunitz. Es ist aber auch wahrscheinlich, dass ein Teil der Truppen den Weg über Königsfeld nach Hollfeld nahm. Als ehemaliger Königshof der Frankenkönige war Königsfeld gut an alte Fernstraßen angebunden. Von Königsfeld aus führte eine ausgebaute Straße über den heutigen „Wiesenter Weg“ nach Hollfeld.

Kaiser Napoleon persönlich kam also im Mai 1812 auf seinem Marsch in Richtung der russischen Grenze durch Treunitz oder Königsfeld! Der „Atem der Weltgeschichte“ war damals für einige Tage in der heutigen Gemeinde Königsfeld zu spüren.


Wie sahen die Landstraßen damals aus?

► Die ausgebauten Landstraßen der damaligen Zeit waren noch nicht die asphaltierten (=geteerten) Pisten von heute. Es waren meistens mit Kies oder Schotter befestigte Wege, welche manchmal auch gepflastert waren. Solche befestigte Landstraßen nannte man „Chaussee“ (gesprochen: „Schossee“). 

► Im Jahr 1812 war die Landstraße von Bamberg nach Bayreuth eine ausgebaute Chaussee. Sie führte über den „Würgauer Berg“, das Wiesenttal und Hollfeld. Der damalige „Würgauer Berg“ glich allerdings nicht der heutigen kurvigen Straße, die bei Motorradfahrern so beliebt ist. Der alte „Würgauer Berg“ führte als steiler befestigter Weg auf den Jura. Er ist als Forst- und Wanderweg entlang des Würgauer Baches erhalten.

Der alte Würgauer Berg als Forst- und Wanderweg heute. Links der Bach. Foto: Frank Dörfler

 

► Ein alter Text aus der damaligen Zeit beschreibt den Würgauer Berg so:

„Würgau ‚liegt eine Stunde oberhalb Scheßlitz am Ende des dortigen Wiesengrundes. Von Bamberg kommt man auf einer mit Viertelstundensteinen versehenen Chaussee von gemeinen 60tausend Schuhen (= 18 km) bis an das Ort, welches in Bäumen ganz versteckt ist. Von diesem Ort kommt man auf das Gebirge, wo die Straße einen steilen Berg zwischen Felsenklippen hinaufgeht, einerseits stürzt sich ein rauschendes Quellwasser herab, das am Berge im Holze entspringt, andererseits entspringt eine andere Quelle.‘ “ (aus: Ekkehard Klement, Zur Reise Kaiser Napoleons I. durch den Mainkreis im Frühjahr 1812)

► Die Bevölkerung von Würgau verdiente ihr Geld in der damaligen Zeit mit der Vermietung von „Vorspann-Pferden“ . Diese Pferde wurden zusätzlich an die Zugpferde der Wagen und Kutschen „vorgespannt“, damit diese den steilen Berg überwinden konnten. Napoleons Marschkolonne im Mai 1812 führte unzählige Wagen mit Ausrüstung und Waffen mit sich. Er benötigte zur Überwindung des „Würgauer Berges“ mehrere hundert Vorspann-Pferde, welche die Bevölkerung aus der Umgebung nach Würgau bringen musste.


Was bedeutete Napoleons Durchzug für die Bevölkerung?

► Du wirst nun vielleicht vermuten, dass der Durchmarsch Napoleons mit 8500 Garde-Soldaten, 4500 Pferden und Hunderten von Wagen für die damaligen Bewohner des Königsfelder Landes eine große Attraktion war. Für die Kinder war es wahrscheinlich auch ein sehenswertes Spektakel, für die Erwachsenen aber eher eine sehr große Belastung:

 Die Bevölkerung war nämlich für die vollständige Verpflegung der vielen Soldaten und Tiere zuständig.

 Außerdem mussten die Landbewohner in den Wochen vor Napoleons Durchmarsch die Straßen reparieren und ausbauen.

 Ähnlich wie am „Würgauer Berg“ war die Bevölkerung zudem verpflichtet, für alle Anstiege auf den Straßen in ihrem Gebiet Vorspann-Pferde zur Verfügung zu stellen.


Wie endete Napoleons großer Krieg gegen Russland?

Am 24. Juni 1812 überschritt Napoleon mit seiner Großen Armee den Grenzfluss zu Russland, die Memel. Zunächst erzielte die Grande Armée etliche Erfolge und Napoleon konnte nach zwei Monaten sogar Moskau, die Hauptstadt Russlands, besetzen.

 Doch der Krieg war damit nicht gewonnen, denn Russland ist ein riesiges Land. Es ist so groß, dass der Zar (= Kaiser von Russland) und seine Regierung Moskau verlassen und an anderer Stelle ungestört weiterregieren konnten. Auch die russische Armee zog sich unerreichbar für Napoleon in das weite Land zurück und verweigerte eine große Entscheidungsschlacht.

► Außerdem klappte in Russland nicht Napoleons üblicher Plan, dass die Bevölkerung der eroberten Gebiete dazu gezwungen werden konnte, die Grande Armée zu ernähren. Die Russen vernichteten in den besetzten Gebieten planmäßig ihre Ernten, so dass Napoleon nur verbrannte Erde erobern konnte. Die Soldaten der Grande Armée litten daher unter Hunger und Krankheiten.

Im Oktober 1812 musste Napoleon den Rückzug antreten, denn:

der in Russland sehr kalte Winter rückte (bis -40ºC) näher.

die Grande Armée konnte in Russland nicht versorgt werden.

der Krieg konnte nicht beendet werden, da der Zar Verhandlungen oder eine Entscheidungsschlacht verweigerte.

Der lange Rückzug verwandelte sich durch Schnee, Kälte, Hunger, Krankheiten und ständige Angriffe der russischen Armee in eine Katastrophe. Von ursprünglich über 400.000 napoleonischen Soldaten erreichten nur 18.000 (!) im Dezember 1812 wieder den Grenzfluss Memel. Napoleon war schon vorher nach Paris geflohen, um eine neue Armee aufzustellen.

Napoleon auf dem Rückzug in Russland. Quelle: Klexikon – Creative Commons


Was war die Folge?

Die verheerende Niederlage Napoleons in Russland führte in Europa ab 1813 zu den Befreiungskriegen gegen die französische Herrschaft. Im Jahre 1815 wurde Napoleon endgültig besiegt. 


Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Quellen:

► Ekkehard Klement: „Zur Reise Kaiser Napoleons I. durch den Mainkreis im Frühjahr 1812″, in: 10. Heft der Beilage „Fränkische Heimat am Obermain“ zum Jahresbericht des Meranier-Gymnasiums Lichtenfels, 1972/73

Wikipedia: www.wikipedia.de

 Klexikon – Das freie Kinderlexikon: www.klexikon.de