Unsere Kirche – eine alte Kirchenburg


Die Geschichte von Königsfeld für Jung und Alt

© Frank Dörfler


Das Wahrzeichen von Königsfeld

► Unsere Kirche heißt “Pfarrkirche St. Jakobus und Katharinaund liegt malerisch auf dem Kirchberg, auch Jakobsberg genannt, am Südhang des Aufseßtals. Sie prägt das Aussehen von Königsfeld und ist somit das Wahrzeichen (= Erkennungszeichen) unseres Dorfes.


Warum erinnert die Umgebung der Kirche an eine Burg?

► Das Tor zum Kirchhof und die hohen Friedhofsmauern erinnern an die Bauweise einer Burg. Das ist so, weil im Mittelalter unsere Kirche eine Burg war: Solche Kirchen heißen “Kirchenburg” oder “Wehrkirche” , die hohen Mauern nennt man “Wehrmauern” . Die Bewohner von Königsfeld konnten bei Gefahr dorthin flüchten und sich “wehren” (verteidigen).

Auf diesem alten Foto sieht man, dass das Tor Teil einer hohen Wehrmauer ist (rechts).  Foto: Hollfelder Blätter, Studien zur Heimatforschung auf der nördlichen Frankenalb, 5. Jg. 1980, Heft 3, S. 43

So sieht der Torbereich heute aus. Vor die Wehrmauer wurde ein Garten angebaut (rechts) und an das Pfarrheim das Büchereigebäude (links).  Foto: Frank Dörfler


Es gibt aber noch ein wichtiges Gebäude aus der Zeit der alten Kirchenburg: Es ist der große, wuchtige Kirchturm. Sein unterer viereckiger Teil gehört mit dem Tor und den Wehrmauern zu den ältesten Bauwerken in Königsfeld aus dem frühen Mittelalter (um das Jahr 1000). Dieser Baustil (= die Art zu bauen) mit seinen dicken Mauern heißt Romanik. Allerdings hatte der Turm damals noch nicht seinen sechseckigen Aufbau mit dem geschwungenen grauen Schieferdach. Er sah eher aus wie der Burgturm der Giechburg. 


► Die hohen Wehrmauern umgaben früher die gesamte Kirchenburg Königsfeld. Wie der Turm wurden sie um das Jahr 1000 im Baustil der Romanik erbaut, ebenso das Tor. Heute sind noch beeindruckende Reste der Wehrmauern Richtung Birkenwald (Süden), direkt am Tor (Westen) erhalten. Auch hinter dem Pfarrhaus versteckt ist in Richtung Kotzendorf (Osten) ein kleiner Teil übrig geblieben.

► Damit die Männer damals auf den Wehrmauern stehen und kämpfen konnten, waren früher hölzerne, mit Pfählen abgestützte Gänge angebaut. Diese nennt man “Wehrgänge” . Von diesen hölzernen Wehrgängen ist heute fast nichts mehr zu sehen. Lediglich der Mauervorsprung (heute mit Ziegeln gedeckt), auf dem sie auflagen, erinnert daran. 

Die Reste der Wehrmauern Richtung Süden. Foto: Frank Dörfler

► So ähnlich wie auf diesem Foto könnten die Königsfelder Wehrgänge ausgesehen haben. Allerdings ist das Mauerwerk hier aus Ziegelsteinen. Es diente auch kein Mauervorsprung als Auflage für den Wehrgang.

Offene Wehrgänge aus Holz in Delitzsch (Sachsen).  Foto: Wikipedia


Wann wurde die alte Kirchenburg erbaut?

► Die Entstehung der Kirchenburg ist eng mit dem fränkischen Königshof in Königsfeld verbunden. Königsfeld war im Mittelalter nämlich ein Königshof der Frankenkönige , der damals im großen fränkischen Reich an der Grenze zum Gebiet “Böhmen” hin lag. Die Menschen in Böhmen nannte man “Slawen” . In Königsfeld und Umgebung hatten sich neben Franken auch viele Slawen angesiedelt. Einige Dörfer um Königsfeld herum tragen deshalb slawische Namen: Laibarös (= Dorf des Luborad), Kotzendorf (= Grenzdorf oder Ziegendorf), Treunitz (= Dorf des Dragon), Hohenpölz (= kleines Feld, Friedhof). Die Frankenkönige errichteten den Königshof in Königsfeld als Stützpunkt, der mit Soldaten die Grenze zu den Slawen sichern sollte.

Im Jahr 741 schenkte der “Hausmeier” (= Stellvertreter des Königs) Karlmann den Königshof mit allen dazugehörigen Gebäuden in Königsfeld dem Bischof von Würzburg (= Bistum Würzburg).

Karl der Große. Quelle: Wikipedia

Zwischen 793 und 810 ließ der fränkische König und Kaiser Karl der Große im Gebiet zu Böhmen hin 14 Slawenkirchen bauen. Er wollte durch diese Kirchen die vielen heidnischen (= nicht christlichen) Slawen, die mittlerweile in diesem Grenzgebiet des fränkischen Reiches lebten, zum christlichen Glauben bekehren und somit besser integrieren. Die Kirche in Königsfeld wurde möglicherweise damals als eine dieser 14 Slawenkirchen errichtet.

Die erste Königsfelder Kirche war unter Würzburger Herrschaft noch nicht den Heiligen St. Jakobus und Katharina geweiht, sondern trug den Namen des St. Kilian. Der Heilige Kilian war der Schutzheilige des fränkischen Reiches.

Im Jahr 1008 schenkte Kaiser Heinrich II. den Königshof mit allen Gebäuden dem Bischof von Bamberg (= Bistum Bamberg).

 Trotzdem hatte der Bischof von Würzburg noch lange die Herrschaft über die Königsfelder Kirche, so durfte nur er bestimmen, welcher Pfarrer an die Königsfelder Kirche kam.



Wie sah die erste Königsfelder Kirche aus?

Von der ersten Königsfelder St.-Kilian-Kirche aus der Zeit des Königshofes ist heute leider nichts mehr zu sehen. Sie wurde in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) abgerissen und schrittweise durch unser heutiges Kirchengebäude ersetzt.

Du wirst dich nun vielleicht fragen: Wie könnten wir dann herausfinden, wie die erste Kirche aussah?

Ein anderes Dorf im Landkreis Bamberg hilft uns, die Antwort auf diese Frage zu finden: Im etwa 25 km entfernten Dorf Amlingstadt haben Archäologen eine der 14 Slawenkirchen Karls des Großen gefunden und in den Jahren von 1970 bis 1972 ausgegraben. Aus den Forschungsergebnissen haben sie die Größe und das Aussehen der fränkischen Kirchen in unserer Gegend um das Jahr 800 nachbilden können:

Fundamente der in Amlingstadt ausgegrabenen Slawenkirche. Foto: www.landschaftsmuseum.de

Nachbildung der Slawenkirche in Amlingstadt. Foto: Ausschnitt aus www.historisches-franken.de

Die Slawenkirche in Amlingstadt hatte nur einen einfachen, hohen Kirchenraum, einen Saal. Deshalb nennt man sie “Saalkirche” . An die Saalkirche war ein kleiner halbrunder Raum angebaut, dieser heißt “Apsis” . Das Gebäude war nur 12,5 m lang und 8,5 m breit. Die Mauern, bestanden aus Natursteinen und waren 4,5 m hoch. Das Dach war um das Jahr 800 mit Stroh oder Holzschindeln eingedeckt, um das Jahr 1000 waren es bereits Ziegeln. Der Fußboden bestand aus einer dünnen Mörtelschicht und Holzdielen.

Betrachte die Nachbildung der Slawenkirche oben! Was fehlt darauf, wenn du an eine typische Kirche denkst?

Bestimmt ist es dir sofort aufgefallen: Die Amlingstädter Slawenkirche hatte noch keinen Kirchturm!

Die erste Königsfelder St.-Kilian-Kirche dürfte ganz ähnlich ausgesehen haben: Eine kleine Saalkirche mit einer Apsis. Sie war zunächst mit Stroh oder Holzschindeln gedeckt, später mit Ziegeln. Einen Kirchturm hatte sie nicht.

Aber was ist mit dem Turm unserer heutigen Kirche, welcher um das Jahr 1000 gebaut wurde? Hatte unsere erste Kirche etwa doch einen Kirchturm?

Unser heutiger Kirchturm wurde einige Meter neben der Saalkirche als Burgturm der Kirchenburg erbaut, nicht als Kirchturm! Er war also damals nicht mit der Kirche verbunden. Wie du bereits erfahren hast, ähnelte unser Turm ursprünglich eher dem Bergfried der Giechburg.

So könnte die Kirchenburg Königsfeld um das Jahr 1000 ausgesehen haben. Vielleicht war die Apsis auch nach Osten gerichtet (wie bei den meisten Kirchen). Zeichnung: Frank Dörfler


War die erste Königsfelder Kirche eine der 14 Slawenkirchen Karls des Großen ?

 Forscher erkennen bis heute Königsfeld noch nicht als sicheren Standort einer der 14 Slawenkirchen Karls des Großen an. Es spricht aber einiges für eine Slawenkirche in Königsfeld:

 Königsfeld war ein fränkischer Königshof zum Gebiet der Slawen hin. Er kam im Jahr 741 in den Besitz des Bischofs von Würzburg.

 Die Bischöfe von Würzburg errichteten hier eine der ersten 10 Pfarreien auf dem fränkischen Jura, eine sogenannte “Urpfarrei” .

In der Nähe des damaligen fränkischen Königshofes lebten auch Slawen. Archäologische Funde im heutigen östlichen Ortsbereich von Königsfeld bestätigen dies.

Daher erfüllte die erste Königsfelder Kirche alle Aufgaben einer Slawenkirche: Sie versuchte, die hier wohnenden Slawen durch die christliche Lehre ins Fränkische Reich zu integrieren.



Wie erhielt die Kirche ihr heutiges Aussehen?

Welsche Haube. Foto: Frank Dörfler

► Wir erkennen auf Fotos unsere Kirche sofort an ihrem in unserer Gegend einzigartigen Dach des Kirchturms: Die schön geschwungene achteckige Haube mit grauen Schiefern ist sozusagen das Markenzeichen von Königsfeld. Doch der achteckige Aufbau der Haube wurde erst in den Jahren 1563 und 1564 aufgebaut. Den Baustil nennt man Barock, das Turmdach wegen seiner Form “Welsche Haube” . Auf die Zeitangabe 1563/1564 kamen Forscher des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege bei einer Untersuchung. Der Zweck dieser Erhöhung des Turmes wird wohl der Einbau eines Glockengeläutes gewesen sein. Andere Heimatkundler meinten bisher, der achteckige Aufbau mit der Welschen Haube sei erst nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) errichtet worden.

So könnte die Kirchenburg Königsfeld um das Jahr 1564 ausgesehen haben. Zeichnung: Frank Dörfler


 

Welcher Krieg verwüstete Königsfeld?

Der in den Jahren 1618 bis 1648 stattfindende Dreißigjährige Krieg war für ganz Deutschland eine Katastrophe, weil viele Gegenden verwüstet wurden. Auch das Königsfelder Land hatte im Jahr 1632 stark unter dem Wüten feindlicher Truppen zu leiden. Das Dorf Königsfeld wurde zerstört und der damalige Pfarrer Johannes Funk ermordet. Über das Schicksal der Kirchenburg damals ist nichts bekannt. Der Turm, das Tor und die Wehrmauern haben den Dreißigjährigen Krieg überstanden. Es könnte aber sein, dass die alte St.-Kilian-Kirche Schäden erlitten hatte. Nach der Not, die der Dreißigjährige Krieg verursacht hatte, folgte für die überlebenden Einwohner Königsfelds eine schwere Zeit, in der das Dorf wieder aufgebaut wurde.

Lies hierzu:

Pfarrer Funk und der Dreißigjährige Krieg

► Umso erstaunlicher ist es, dass während dieser schwierigen Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg im Jahre 1664 die Kapelle St. Anna (Annakapelle) auf dem Gelände der Kirchenburg errichtet wurde, möglicherweise ist sie aber auch älter. Teile der alten hohen Wehrmauer mussten dafür abgebrochen werden.

Sollte die Annakapelle vielleicht die ähnlich große alte St.-Kilian-Kirche ersetzen, weil diese im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde? Wir wissen es nicht.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Annakapelle von 1945 bis 1972 den evangelischen Christen in Königsfeld (meist Kriegsflüchtlinge) für ihre Gottesdienste zur Verfügung gestellt. Seit 1960 ist im Innern der Annakapelle ein Teil durch eine Mauer abgetrennt und dient seitdem als Leichenhalle. 

Die Kapelle St. Anna (Annakapelle). Quelle: Frank Dörfler


Wann wurde das heutige Kirchengebäude errichtet?

Erst im Jahre 1710 wurde die alte St.-Kilian-Kirche durch den Neubau des heutigen, größeren Kirchengebäudes (=Langhaus) ersetzt. Dieses neue Langhaus verband man nun mit dem viereckigen alten Turm. Der Baustil zu dieser Zeit war weiterhin Barock. Das Innere des Turmes wurde durch die Verbindung mit dem Langhaus nun zum Chorraum der neuen Kirche. Dafür musste zum Langhaus hin eine große Öffnung mit einem Rundbogen aus der dicken Turmmauer herausgebrochen werden.

Bereits 40 Jahre später 1750/51 kam es zu einer Erweiterung des Langhauses nach Westen. Das neue Kirchengebäude hatte sich anscheinend schnell als zu klein erwiesen. Die neue Kirche St. Jakobus und Katharina war nämlich die Pfarrkirche für fast alle Bewohner der Pfarrei Königsfeld. Nur Hohenpölz besaß damals schon eine eigene Kirche, die anderen Dörfer der Pfarrei noch nicht.

So entwickelte sich die Kirchenburg Königsfeld in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg weiter. Zeichnung: Frank Dörfler

Diesen Erweiterungsbau von 1750/51 kann man heute zwar von außen nicht mehr erkennen, sehr wohl aber im Innern der Kirche: Es ist der hintere Bereich mit der Empore (= die erhöhte hölzerne Tribüne). An der Kirchendecke fehlt im Bereich des Erweiterungsbaues das Gemälde

Das Langhaus aus dem Barock ist mit dem Kirchturm verbunden. Foto: Frank Dörfler

Ab der Empore beginnt der Erweiterungsbau von 1750/51. An der Decke fehlt über der Orgel das Deckengemälde. Foto: Frank Dörfler


Foto: Frank Dörfler

► An diesem Erweiterungsanbau von 1750/51 ist in der Mauer zum Kirchhof hin auch das Wappen des damaligen Bamberger Bischofes angebracht. Damit war nun endgültig die Herrschaft über die Königsfelder Kirche vom Bistum Würzburg auf das Bistum Bamberg übergegangen. Bereits 1710 wurde die neue Kirche auf St. Jakobus und Katharina geweiht.



Wann bekam die Kirche ihre weiße Farbe?

Bei der Renovierung (= Erneuerung) im Jahre 1978 erhielt die gesamte Kirche ein strahlendes Weiß als Außenfarbe. Das war nicht immer so.

Alte Fotos zeigen die Kirche auf der Seite zum Birkenwald hin ohne weiße Farbe:

Dieses alte Foto zeigt die Rückseite der Kirche noch ohne den weißen Anstrich. Hier sparte man Geld.  Foto: Hollfelder Blätter, Studien zur Heimatforschung auf der nördlichen Frankenalb, 5. Jg. 1980, Heft 3, S. 41


Auf der Seite zum Dorf hin allerdings zeigen auch schon alte Fotos einen weißen Anstrich. Anscheinend sollte diese für die Bewohner und Besucher sichtbare Seite schöner aussehen:

Diese alte Postkarte zeigt die Kirche zum Dorf hin mit weißen Anstrich. Da es den Birkenwald hinter der Kirche noch nicht gibt, wurde das Foto um ca. 1900 aufgenommen.   Postkarte: Johannes Bleyer, Königsfeld


Von 2008 bis 2010 wurden das Dach und die Außenfassade der Kirche dann umfassend renoviert (= erneuert). Die Außenwände wurden erneut weiß gestrichen. Neu waren nun die gelben Farb-Umrandungen der Fenster und der Ecken.

Weitere Informationen und Fotos zur Renovierung:

→ Firma Hofmann, Königsfeld: http://www.hofmann-internet.de/archiv/st_jakobus_koenigsfeld/st_jakobus_koenigsfeld.html



War die Zeigeruhr mit ihrem Ziffernblatt beim Bau des Glockenturmes schon eingeplant?

In den Jahren 1563/64 wurde der Burgturm der Kirchenburg Königsfeld durch den achteckigen Aufbau zum Glockenturm umgewandelt.

Betrachte das folgende Foto mit unserer Turmuhr genau! Was meinst du: War die Zeigeruhr mit ihrem Ziffernblatt bereits damals schon eingeplant?

Bestimmt ist es dir aufgefallen: Die Zeigeruhr mit ihrem Ziffernblatt verdeckt das Halbbogenfenster des Turmes in dessen oberen Bereich.

Aus diesem Grund können wir annehmen, dass die Zeigeruhr mit ihrem Ziffernblatt beim Turmausbau 1563/64 noch nicht eingeplant war. Der Bauplaner (=Architekt) hätte den Bauplan damals sonst so gestaltet, dass das Ziffernblatt nicht das Fenster verdeckt. Also: Entweder hätte er den Aufbau höher geplant oder das Fenster kleiner.


Warum wurde das Fenster beim Einbau der Zeigeruhr nicht einfach zugemauert?

Schau nochmals genau das Turmfenster auf dem Foto an!

Dieses Fenster hat keine Fensterscheibe, sondern nur schräge Holzbretter (= Lamellen). Diese Lamellen sind offen, sie haben also Luftschlitze. Die Aufgabe des Turmfensters ist nämlich nicht nur, Tageslicht in den Glockenturm zu bringen. Viel wichtiger ist, dass es den Schall der Glocken nach außen dringen lässt, damit das Glockengeläut in Königsfeld auch gut gehört werden kann.

Deshalb hat man beim Einbau des Ziffernblattes das nördliche Fenster nicht zugemauert, sondern es lieber nur teilweise bedeckt. So konnte der Schall des Glockenklanges weiterhin Richtung Dorfmitte Königsfeld ausströmen.


Der Glockenturm von 1563/64 hatte also noch keine Turmuhr?

Das können wir nicht sicher sagen. Die Uhrzeit kann man nicht nur durch eine Zeigeruhr SEHEN, die Uhrzeit kann man auch durch Glockenschläge HÖREN (= Schlaguhr). 

 Erste Schlaguhren (mit Zahnrädern/ohne Zeiger/ohne Strom) gab es zwar schon ab dem Mittelalter, aber für die normale Bevölkerung waren sie viel zu teuer.

Deshalb baute man in die Glockentürme der Kirchen große Schlaguhren für alle Leute ein. Der Glockenturm hatte damit nicht nur die Aufgabe, für den Gottesdienst oder das Gebet zu läuten, sondern auch die Uhrzeit mit Glockenschlägen HÖREN zu lassen. Oder ein Glöckner (= Glöckenläuter als Beruf) übernahm diese Aufgabe.

Es ist also möglich, dass die Pfarrei Königsfeld 1563/64 eine große Schlaguhr zum HÖREN erhielt.


Wie funktioniert das HÖREN der Uhrzeit mit Glockenschlägen?

Auch heute noch schlagen die Kirchenglocken die Uhrzeit an.

So kannst du die Uhrzeit anhand der Glockenschläge HÖREN:

Tabelle: Frank Dörfler


Wann wurde die Zeigeruhr mit dem Zifferblatt eingebaut?

Wird noch erforscht!



Wann wurde das heutige Pfarrheim gebaut?

Im Jahr 1735 wurde das Gebäude des Pfarrheims neben dem Tor errichtet. Dafür wurden Teile der hohen Wehrmauer an dieser Stelle abgerissen. Seit 1929 war im Pfarrheim eine “Kinderverwahranstalt” (= ein Kindergarten) untergebracht, die von Nonnen, den Oberzeller Schwestern, bis in die 1960er Jahre geleitet wurde. Das Pfarrheim diente in dieser Zeit auch als kleines Kloster, in dem einige Oberzeller Schwestern wohnten.


Wie veränderte sich der Friedhof und die Wehrmauern?

► Bei Vergrößerungen des Friedhofs wurden große Teile der hohen Wehrmauern abgerissen. Ein alter → Ortsplan von Königsfeld aus dem Jahr 1843 zeigt, dass die Friedhof-Vergrößerung nach Westen (in Richtung Schule) schon vor 1843 durchgeführt worden ist. Diesen Teil des Friedhofes kannst du an der etwa 2 Meter hohen Steinmauer erkennen, welche ihn umgibt und deutlich niedriger als die alte Wehrmauer ist. 

Im Hintergrund: Links die alte, hohe Wehrmauer – rechts die niedrigere Erweiterungsmauer. Foto: Frank Dörfler

► Die viel größere Erweiterung nach Osten (in Richtung Kotzendorf) war 1843 noch nicht vorhanden. Diese Erweiterung ist der jüngste Teil des Friedhofes. Du erkennst ihn daran, dass er von einem Zaun eingerahmt ist.

Ausschnitt aus dem Ortsplan von 1843. Quelle: Bayerische Landesbibliothek Online

Lies hierzu auch:

Der Ortsplan von Königsfeld aus dem Jahr 1843

Beim Bau des Pfarrhauses (ebenso vor 1843) sowie beim Umbau des Pfarrheims (1848) wurden die restlichen hohen  Wehrmauern in Richtung Dorfmitte Königsfeld (nach Norden) und in Richtung Kotzendorf (nach Osten) vollständig abgerissen. Nur ein kleiner Überrest der Wehrmauer ist hinter dam Pfarrhaus erhalten geblieben.

Hinter dem Pfarrhaus ist ein kleiner, teils eingewachsener Überrest der östlichen Wehrmauer erhalten geblieben. Foto: Frank Dörfler


Wann entstand das moderne Gebäude der Bücherei?

Im Jahre 2006 wurde das Pfarrheim renoviert. Gleichzeitig entstand auch der moderne Anbau für die Bücherei. Somit erhielt die alte Kirchenburg endgültig ihr heutiges Aussehen.


Kirchenführer. Foto: Frank Dörfler

Wo kann man sich über den Innenraum der Kirche informieren?

Die Pfarrei Königsfeld bietet in der Pfarrkirche einen neuen Kirchenführer (2017)  zum Verkauf an. In diesem wird der prachtvolle Innenraum der Königsfelder Kirche ausführlich beschrieben und erklärt. Außerdem sind auch die Kirchengebäude der anderen Ortschaften der Pfarrei Königsfeld darin enthalten.

Auch auf der Homepage bzw. Webseite der Pfarrgemeinde Königsfeld findet man einen Kirchenführer unter folgendem Link:

http://pfarrei-koenigsfeld.de/kirchen/index.html


 

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Quellen:

Peter Poscharsky: Die Kirchen der fränkischen Schweiz, Erlangen 1993 (Schriftenreihe des Fränkische-Schweiz-Vereins Band 6) / Die Fränkische Schweiz – Landschaft und Kultur)

Karin Schatke: Die Kirchen der Pfarrei Königsfeld (PEDA-Kunstführer; Bd. 991). Kunstverlag Peda, Passau 2017

► HOLLFELDER BLÄTTER, Studien zur Heimatforschung auf der nördlichen Frankenalb, 5. Jahrgang 1980, Heft 3 und 4

Webseite der Pfarrei Königsfeld: http://pfarrei-koenigsfeld.de/kirchen/st-jakobus-der-aeltere/

Webseite des Bayerischen Rundfunkes: https://www.br.de/radio/br-heimat/sendungen/zwoelfuhrlaeuten/oberfranken/zwoelfuhrlaeuten-koenigsfeld-oberfranken-102.html

Denkmalliste des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege für Königsfeld: http://geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_471151.pdf

Broschüre “Kapellenweg Königsfeld”: http://www.koenigsfeld-oberfranken.de/Tourismus.aspx?view=~/kxp/orgdata/default&orgid={E55E21D7-3585-49C7-B5E7-51A2D30D421C}

► Bayerischen Landesbibliothek Online: www.bayerische-landesbibliothek-online.de/ortsblaetter

Wikipedia – Die freie Enzyklöpädie, Artikel: St. Jakobus und Katharina

 Klexikon – Das freie Kinderlexikon: www.klexikon.de